Nahrungsergänzungsmittel – In den USA eine Selbstverständlichkeit, in Deutschland verpönt?

Über die Hälfte der Amerikaner nimmt regelmäßig ein oder mehrere Nahrungsergänzungsmittel ein, um die eigene Gesundheit zu fördern. In Deutschland genießen die Supplemente hingegen einen zweifelhaften Ruf. Dabei kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in vielen Fällen durchaus Sinn machen.

Dass viele lieber auf Präparate mit wichtigen Vitaminen verzichten, liegt nicht zuletzt an der Berichterstattung in den Massenmedien. Immer wieder erscheinen Artikel über die angeblichen Gefahren von Supplementen, in denen Studienergebnisse überspitzt dargestellt und so Ängste geschürt werden.

Nahrungsergänzung rechtfertig keinen ungesunden Lebensstil

Klar ist: Zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gibt es keine Alternative. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen weder den Verzehr von frischem Obst und Gemüse, noch sind sie ein Freibrief für das Rauchen oder den regelmäßigen Konsum von Alkohol.

Vielmehr haben Supplemente die Aufgabe, Vitamine und Mineralstoffe zu liefern, die der Körper trotz gesunder Nahrung in zu geringen Mengen aufnimmt – sie sind, wie der Name schon sagt, eine Ergänzung.

Doch wo macht diese Ergänzung auch Sinn? In Deutschland sind es insbesondere ältere oder kranke Menschen, die regelmäßig zu Vitaminpräparaten greifen, um Mangelerscheinungen aufzufangen. Außerdem können Nahrungsergänzungsmittel gegen Heuschnupfen und Allergien helfen. Weitere Gründe für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sind:

  • Leistungssport: Wer regelmäßig Sport treibt, verliert in besonders hohem Maße Vitamine und Mineralien. Deshalb greifen viele Leistungssportler zu entsprechenden Supplementen.
  • Stress: Unter hohem Stress nimmt die Zahl der freien Radikalen im Körper zu. Antioxidanten (Vitamin C und Vitamin E) können dem vorbeugen.
  • Schwangerschaft: Viele Frauen im gebärfähigen Alter sind mit Folsäure unterversorgt, was im Falle einer Schwangerschaft zur Gefahr für das Baby werden kann.
  • Krankheiten: Mit Vitamin D kann bei Kleinkindern einer Knochenerweichung (Rachitis) vorgebeugt werden. Menschen mit Stoffwechselerkrankungen benötigen Vitaminpräparate. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind häufig auf zu geringe Mengen von Spurenelementen und Nährstoffen zurückzuführen.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit: Je nach Art und Umfang der Intoleranz müssen Vitalstoffe über Nahrungsergänzung zugeführt werden.
  • VeganismusVitamin B12 (Cobalamin) ist in keinem pflanzlichen Lebensmittel enthalten.

Gemüse und Obst reichen häufig nicht aus

Darüber hinaus ist es aber auch für Menschen ohne solche Prädispositionen empfehlenswert, ihre Nahrung mit Vitaminen oder Mineralstoffen zu ergänzen. Vitamin D beziehen wir bspw. nur zu einem Bruchteil aus der Nahrung, da es durch Sonneneinstrahlung vom Körper selbst gebildet wird. Im Winter kann es damit schon einmal knapper werden. Und obwohl uns in Deutschland und den anderen Industrienationen ganzjährig ein vielseitiges Angebot an Lebensmitteln zur Verfügung steht, sind Mangelsituationen auch hier weit verbreitet.

 

 

Selbst Menschen, die fünfmal am Tag Obst und Gemüse essen und damit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) folgen, werden häufig nicht mit einer ausreichenden Menge an Vitaminen und Mineralien versorgt.

Einer der Gründe ist die landwirtschaftliche Massenproduktion, die uns Nahrungsmittel beschert, die lange Transport- und Lagerzeiten überstehen müssen – und dabei in erster Linie immer frisch aussehen sollen. Deshalb enthalten Apfel, Kartoffel, Brokkoli & Co. immer weniger Vitamine, dafür aber mehr Eiweiß und Wasser. Und überhaupt schaffen wir es in unserem stressigen Alltag – trotz eines zunehmenden Gesundheitsbewusstseins – kaum, uns wirklich ausgewogen zu ernähren.

Wer sich richtig über Nahrungsergänzungsmittel informiert, kann sinnvoll supplementieren

Nicht umsonst greifen in den USA gerade diejenigen Menschen zu Supplementen, die ohnehin bereits sehr auf ihren Körper und ihre Gesundheit achten. Wer sich richtig informiert, kann seine Ernährung so sinnvoll ergänzen. Überdosierungen treten in den seltensten Fällen auf – und wenn, dann eher bei den fettlöslichen Vitaminen A und E. Dennoch bleibt eine kompetente Beratung unerlässlich.

Weil hoch dosierte Supplemente ohne weiteres bei Walmart und anderen großen Supermarktketten erhältlich sind, fehlt in den USA – anders als in Deutschland – oftmals die Anleitung durch einen Apotheker oder Arzt. Darüber hinaus werden die Präparate hierzulande regelmäßig und strenger kontrolliert.

Dennoch ist die „Hemmschwelle“ dafür, seine Ernährung mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen zu unterstützen, weiterhin recht groß – getreu dem Motto „Wer eine Pille nimmt, wird sich automatisch nicht mehr richtig ernähren“.

 

 

Durch gezielte Aufklärung könnte man solche Ängste weiter abbauen, denn unter den genannten Voraussetzungen sind Nahrungsergänzungsmittel unbedenklich und wirken am Ende des Tages gesundheitsfördernd.

Häufig werde ich nach meinem eigenen Einnahmeverhalten gefragt. Zur Zeit nehme ich täglich folgende Nahrungsergänzungsmittel ein:

  • Multivitamin- und Mineralstoffpräparate,
  • sekundäre Pflanzenstoffe, v.a. OPC (Oligomere Proanthocyanidine)
  • Omega 3-Kapseln und
  • eine spezielle Mikronährstoffkombination für die Kniegelenke.
Nahrungsergänzungsmittel: Was eignet sich wann für wen?
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